AVM aus statistischer Sicht (2)

Nachdem ich mir die Daten vom statistischen Bundesamt näher angesehen habe, hier nun eine einfach grafische Aufbereitung. Wie im vorherigen Artikel beschrieben, beziehen sich die Daten zusammengefasst auf alle arteriovenöse Fehlbildung der zerebralen Gefäße, nicht nur arteriovenöse Malformationen. Nach der Grafik folgt noch eine Auswertung zu den Statistiken und ein Fazit.

 

Krankenhausstatistik. Diagnose: Arteriovenöse Fehlbildung der HirngefäßeKrankenhausstatistik 1: Behandlungsfälle pro JahrKrankenhausstatistik 2: Verteilung der Fälle nach GeschlechternKrankenhausstatistik 3: Landkarten, Fälle nach Behandlungsort und Wohnorte der PatientenKrankenhausstatistik 4: Alter der PatientenKrankenhausstatistik 5: Aufenthaltsdauer im Krankenhaus

 

Interpretation der statistischen Daten

  • Die über die Jahre stetig ansteigende Zahl der Fälle führe ich auf den technischen Fortschritt zurück. Die bildgebenden Untersuchungsverfahren (MRT, CT) werden immer besser und vermehrt eingesetzt, wodurch sicher mehr dieser besonderen Erkrankungen entdeckt werden. Gleichzeitig werden die Behandlungstechniken und -möglichkeiten immer ausgereifter.
  • Bei der Verteilung nach Geschlechtern liegen die Männer vorne. Das würde (zumindest in Bezug auf die arteriovenösen Malformationen) die Angaben in der Literatur grob bestätigen. Dort hatte ich ja gelesen, das Verhältnis ist etwa 1,25 : 1 (Männer : Frauen). Da in der Statistik aber auch andere Krankheiten enthalten sind ist es fraglich, ob diese auch generell vermehrt bei Männern auftreten.

Die Landkarten werfen mehr Fragen auf, als dass sie welche beantworten.

  • Die meisten Behandlungen werden offensichtlich in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen durchgeführt. Scheinbar befinden sich in diesen Bundesländern die spezialisierten Kliniken, wobei Baden-Württemberg mit 386 Fällen besonders hervorsticht. Mich wundert etwas, dass es in Berlin nur 39 gemeldete Fälle gab - ich hätte gedacht, dass es in der Charité auch einen größeren Fachbereich gibt. Ob Patienten aus anderen Bundesländern dann zur Behandlung alle in den Südwesten fahren? Diese Frage sollte eigentlich die zweite Karte beantworten können, tut sie aber nicht:
  • Die Angaben zum Wohnsitz der Patienten sind etwas verteilter, allerdings macht es mich doch stutzig, dass es in den neuen Bundesländern offenbar nur so wenige Patienten gibt. Eventuell spiegelt sich hier auch wider, dass viele Menschen aus dem Osten in die alten Bundesländer umgesiedelt sind? Jedenfalls sind die Zahlen in den alten Bundesländern ausgeglichener, was schon eine gewisse Bestätigung ist, dass die Patienten extra zur Behandlung nach Baden-Württemberg kommen.

Schließlich noch zu den letzten beiden Diagrammen:

  • Die Balken beim Alter der Patienten bestätigen grob die Angaben, die ich in der Fachliteratur zu AVM gefunden habe. AVM werden überwiegend durch Hirnblutungen auffällig, und das dürften auch die meisten Fälle sein, die von der Krankenhausstatistik erfasst werden. Laut Literatur treten die meisten Blutungen zwischen Mitte 30 und Mitte 50 auf. Das würde die Grafik bestätigen. Allerdings muss auch hier wieder berücksichtigt werden, dass in der Statistik auch andere Erkrankungen enthalten sind und es Behandlungen ohne vorherige Hirnblutung gibt.
  • Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus liegt hauptsächlich zwischen 1-4 Tagen, was am ehesten zu der Bestrahlung und Embolisation passen würde. Ich schätze, bei chirurgischen Eingriffen verlängert sich der Aufenthalt. Vermutlich handelt es sich bei den Fällen mit sehr viel längeren Aufenthalten um Patienten mit einer bereits erfolgten Hirnblutung und schweren Folgeschäden.

Fazit

Die Statistik ist interessant, lässt aber nur bedingte Rückschlüsse zu. Arteriovenöse Malformationen (AVM) werden nicht separat erfasst und sind damit nicht auswertbar. Es ist nicht ganz klar, wie die Daten erhoben wurden:

  • Sind Patienten mehrfach erfasst, wenn sie sich in unterschiedlichen Kliniken vorgestellt haben?
  • Gilt jede Behandlung als "Fall"? Das wäre problematisch bei mehreren Behandlungen pro Patient.
  • Die Statistik beinhaltet nur Diagnosen von Krankenhäusern, nicht z.B. von Facharztpraxen.

Daher werde ich diese Daten eher nicht verwenden. Aber die Zahlen verdeutlichen ziemlich gut, wie selten arteriovenöse Fehlbildungen der zerebralen Gefäße sind!

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