AVM in Film und Fernsehen
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- Erstellt am 21.01.2011

AVM sind extrem selten. Und dennoch, oder gerade deshalb, gibt es Autoren, die eine AVM z.B. in Serien thematisieren. So hat auch einer der Hauptcharaktere der TV-Serie "Six Feet Under" eine arteriovenöse Malformation (in der Serie oft nur "AVM" genannt).
AVM in "Six Feet Under"
Six Feet Under (deutsche Subline: Gestorben wird immer) wurde 2001-2005 HBO produziert und verbindet auf unkonventionelle Art schwarzen Humor mit Dramatik. Die Serie erzählt aus dem Leben der Familie Fisher mit ihrem Bestattungsinstitut. Die beiden Brüder, Nate und David, erben zu Beginn der Serie das Unternehmen von ihrem Vater. Gegen Ende der ersten Staffel (Folge 13) erfährt der ältere Bruder Nate (gespielt von Peter Krause, im Foto oben links), dass er eine AVM hat, die jederzeit zu epileptischen Anfällen oder einem Hirninfarkt führen kann.
In der Serie entscheidet sich Nate zunächst gegen eine Operation, weil sein Arzt behauptet, eine OP würde in der Regel nicht positiv verlaufen. In den folgenden Episoden wird die AVM immer wieder thematisiert. Nate leidet unter der ständigen Angst, wegen der "Bombe im Kopf" zu sterben (z.B. Staffel 2, Folge 2). Zunächst erzählt er keinem von der Diagnose, erst im Laufe der zweiten Staffel weiht er diverse Personen ein. Nate leidet auch unter epileptischen Anfällen und muss Medikamente deswegen einnehmen. Gegen Ende der zweiten Staffel wissen dann auch seine Familienangehörigen bescheid und er entscheidet sich doch zu einer Operation (Embolisation). Damit endet dann auch die zweite Staffel, die riskante OP muss als "Cliffhanger" herhalten.
Die dritte Staffel beginnt mit einem kurzzeitigen Herzstillstand von Nate während der OP, was filmerisch dazu genutzt wird, verschiedene mögliche Ausgänge der OP zu zeigen. Schließlich kehrt man zurück in die "Filmrealität", in der Nate überlebt und die OP trotz Komplikationen gut verlaufen ist. Das turbulente Leben der Serienfamilie geht weiter und die AVM scheint vergessen, bis Nate in Folge 9 der 5. Staffel einen Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt. Er hatte kurz zuvor Schmerzen im rechten Arm, diese Missempfindung kann als Vorzeichen oder erste Auswirkung der Hirnblutung angesehen werden. Im Krankenhaus wird die Hirnblutung diagnostiziert, die sofort mit einer Operation gestoppt werden muss.
Verantwortlich dafür soll eine zweite AVM sein, die sich nach der letzten OP gebildet haben soll [Anm.: nach meinen Recherchen entstehen AVM nicht einfach aus dem nichts, vermutlich wurde die erste AVM nicht richtig verschlossen oder hat sich wieder geöffnet; zudem gibt es in der deutschen Fassung einen Fehler in der Synchornisation: der Arzt sagt, er hat eine "arteriovenöse Malfunktion"]. Im Krankenhaus wacht er am nächsten Tag auf, spürt aber seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht mehr.
Die Ärzte denken, er würde sich ohne bleibende Schäden schnell wieder erholen. Er wird von Familienmitgliedern besucht, diverse Serien-Probleme werden gelöst und entstehen neu. In der Nacht stirbt Nate dann unerwartet im Krankenhaus, während sein Bruder bei ihm ist. Der Seriencharakter war 40 Jahre alt. In den letzten Episoden der Serie tauch Nate in der Vorstellung der anderen Charaktäre immer wieder auf und es wird gezeigt, wie Freunde und Familienangehörige mit seinem plötzlichen Tod umgehen.
Six Feet Under wird seit dem 5. Januar 2011 mittwochs um 22:30 Uhr ohne Werbeunterbrechung auf dem Digitalsender ZDF NEO ausgestrahlt (Wiederholung, Erstausstrahlung lief ab 2004 bei VOX).
AVM in "Grey's Anatomy"
In der Arztserie "Grey's Anatomy" (deutsche Subline: Die jungen Ärzte), die seit 2005 von ABC produziert wird, gibt es in der 8. Folge der ersten Staffel einen kleinen Jungen, der eine AVM hat. Er wird mit Nasenbluten kurz vor Weihnachten ins Krankenhaus eingeliefert und die AVM ist schnell entdeckt, allerdings hat die Klinik nicht die nötige Ausrüstung, um den Jungen zu behandeln. Die Krankenhausleitung möchte/kann keine finanziellen Mittel für das Spezialwerkzeug zur Verfügung stellen, woraufhin sich die Ärzte entscheiden, die OP aus eigener Tasche zu zahlen. Am Ende der Folge wird der Junge dann an Silvester operiert, die zuführenden Arterien der AVM werden durch Metallclips, die über die Nasenöffnung eingeführt werden, verschlossen. Von dieser Methode habe ich in meinen bisherigen Recherchen noch nichts gelesen. Ich vermute, es zählt zu der "chirurgischen Lösung", auch wenn die OP nicht am offenen Kopf durchgeführt wurde. Der Junge überlebt ohne bleibende Schäden.
Grey's Anatomy wird seit 2006 auf dem Privatsender ProSieben ausgestrahlt, aktuell gibt es allerdings eine Pause. Die Ausstrahlung der nächsten Staffel beginnt vermutlich ab März oder April 2011.
AVM in "HawthoRNe"
"HawthoRNe" ist ebenfalls eine Arztserie, die seit 2009 von TNT produziert wird. Sie handelt rund um das Leben der Oberschwester Christina Howthorne, wobei das im Titel zumeist großgeschriebene RN für den Beruf "Registered Nurse" steht. In der 5. Folge der ersten Staffel wird eine Teenager-Patientin names Amy eingeliefert, die schon viele Operationen wegen Herzerkrankungen hinter sich hat. Ihre Symptome waren Schwindel, Übelkeit und heftiges Erbrechen, sowie Ohnmacht.
Im Krankenhaus erleidet sie einen heftigen epileptischen Krampfanfall, woraufhin ein Gehirnscan durchgeführt und die arteriovenöse Malformation entdeckt wird. Der Neurochirurg rät zur schnellstmöglichen Entfernung der AVM bevor es eine Hirnblutung gibt. Es stellt sich allerdings heraus, dass er noch nie eine AVM operiert hat. Die Oberschwester recherchiert auf eigene Faust nach einem Exerten und vereinbart den Eltern einen Termin bei einer anderen Klinik. Als Amy davon erfährt, entscheidet sie sich allerdings dagegen, sie will an der hiesigen Klinik bleiben, obwohl sie die erste AVM-Patientin des Neurochirurg ist.
Der Arzt führt eine "Kraniotomie mit anschließendem Clipping" durch, es wird also die Schädeldecke geöffnet und die Arterien mit Metallclips verschlossen, ähnlich wie bei dem Jungen in Grey's Anatomie. Die Operation verläuft ohne Komplikationen und geht gut aus. Die Oberschwester bekommt allerdings Ärger, weil sie ohne schriftliche Einverständnis die Patientendaten des Mädchens an einen externen Arzt geschickt hat.
Die erste Staffel von HawthoRNe wurde 2010 von ProSieben ausgestrahlt, die zweite Staffel soll ab März auf dem Privatsender SIXX ausgestrahlt werden (Tochter-Frauensender von ProSieben).
AVM in "Royal Pains"
Die Serie "Royal Pains" wird seit 2009 von USA Network produziert und handelt von einem jungen Arzt, der aufgrund einer krankenhauspolitischen Fehlentscheidung gefeuert wird und seinen guten Ruf verliert. Daraufhin versucht er sich als Notfallmediziner und wird durch glückliche Umstände zum Arzt der "Reichen und Schönen".
In Folge 6 der zweiten Staffel nimmt eine junge Frau Tabletten gegen Kopfschmerzen und es stellt sich heraus, dass schon vor 5 Jahren eine AVM bei ihr entdeckt wurde. Die AVM wurde damals nicht behandelt, nun wurden die Kopfschmerzen aber stärker und die Frau hat plötzlich ihren Geschmackssinn verloren. Sie wird zu einer Computertomographie überredet, die allerdings abgebrochen wird, weil sich schließlich herausstellt, dass die Frau schwanger ist. Auf die AVM wird nicht näher eingegangen.
Die Serie wurde in Deutschland noch nicht ausgestrahlt. Die Mediengruppe RTL hat sich allerdings die Rechte für die deutsche Erstausstrahlung gesichert, da die Serie in den USA sehr erfolgreich läuft.
AVM in "Dr. House"
In der 9. Folge der ersten Staffel von Dr. House wird bei einem Patienten ebenfalls eine AVM diagnostiziert, die allerdings am Rückmark liegt, nicht im Gehirn. Daher an dieser Stelle keine weiteren Details, Nennung nur der Vollständigkeit wegen. "Dr. House" wird seit 2004 von FOX produziert und seit 2006 auf dem deutschen Privatsender RTL ausgestrahlt.
AVM im Science Fiction Roman "Mindscan"
Im Science Fiction Roman "Mindscan" von Robert J. Sawyer von 2005, der bisher noch nicht auf deutsch erschienen ist, leidet ein 44-jähriger Besitzer einer Traditionsbrauerei an einer arterioenösen Malformation. Er entscheidet sich daraufhin, als einer der ersten Testpatienten, sein Bewusstsein in einen künstlichen Körper zu kopieren und all seine Persönlichkeitsrechte an die Kopie abzutreten. Mehr über das Buch auf deutsch in dieser Rezession, wo die AVM fälschlicherweise als Erbkrankheit geschildert wird. Auszüge auf Englisch, wo auch die AVM erwähnt wird, gibt es auf der Website des Autors.
Ein ganzes Musical über AVM
Irgendwie seltsam, eine AVM als Hauptthema in einem Musical?! William Finn, Autor und Initiator von "A New Brain", hat selbst an einer AVM gelitten und kämpfte bei einer OP um sein Leben. Während seiner Behandlungszeit verarbeitete er seine Erfahrungen, Gefühle und Ängste zu einem neuen Musical, die meisten Lieder schrieb er noch direkt im Krankenbett. Er ist inzwischen genesen und hat schon weitere Musicals produziert.
Das Musical handelt von Gordon Schwinn, einem jungen Songwriter, der an einer neuen Komposition arbeitet und ständig den Abgabetermin, die Deadline, vor Augen hat. Er nimmt sich eine Pause und geht mit einer Freundin essen, als er plötzlich das Bewusstsein verliert und mit dem Kopf im Pastateller landet. Im Krankenhaus erfährt er von der AVM, die schnellstmöglich operiert werden muss. Ein Termin ist vereinbart, Gordons größte Angst ist allerdings, dass sein Werk nie fertig wird. Daher setzt er in der Wartezeit im Krankenhaus alles daran, seine Songs zu vollenden, selbst im Koma und in seinen Träumen drehen sich seine Gedanken nur um die unvollendete Arbeit. Schließlich kommt die große OP, die er ohne bleibende Schäden überlebt...
Das AVM-Musical mit dem Originaltitel "A New Brain" wurde 1998 uraufgeführt. 2007 gab es sogar eine deutschsprachige Premiere unter dem Titel "Nervensache" im Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Hörproben auf deutsch sowie englisch finden sich im Internet.
Dokumentation zu einem echten Fall
Der britische Sender Sky3 hat 2008 eine Dokumentation über Pete Nash ausgestrahlt, einem 38-jährigen Familienvater mit 3 Söhnen. Bei dem Mann wurde 2004 eine AVM diagnostiziert, die laut den Ärzten auf Grund der Größe und Lage nicht operiert werden kann. Nach der Diagnose litt Pete vermehrt unter heftigen Kopfschmerzen und Depressionen. Seine Frau setzte alles daran, einen Arzt zu finden, der die OP für machbar hält. Schließlich wurde sie fündig, allerdings weigerte sich der NHS (National Health Service, vergleichbar mit der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland), die Kosten für die OP zu übernehmen, da das Risiko der OP weit höher lag, als das Risiko wenn die AVM unbehandelt bleibt.
Schließlich richtete die Familie "Pete's Fund" ein und organisierte unterschiedlichste Aktionen, um Spenden für die OP des Vaters zu sammeln. 70.000 Pfund mussten sie sammeln, was nach nervenaufreibenden Jahren schließlich gelang und ein OP-Termin konnte vereinbart werden. Nach mehreren Embolisationen wurde die AVM mit einem chirurgischen Eingriff entfernt. Der Eingriff wurde auch für ärztliche Fortbildungszwecke gefilmt.
Pete überlebte die hoch riskante OP ohne bleibende Schäden. Für die OP wurde der Kopf geöffnet und nach der Entfernung der AVM mit unzähligen Klammern wieder verschlossen. Die packende Dokumentation wurde von der Familie mit Genehmigung des Senders auch auf Youtube veröffentlicht: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 (Gesamtspielzeit ca. 1 Stunde). Da die Eingriffe letztlich teurer wurden, als erwartet, hat die Familie am Ende sogar ihr Haus verloren - aber das Leben des Vaters gerettet.
AVM bald auch im Kino
Die Autobiografie der Hirnforscherin Jill Bolte Taylor soll demnächst verfilmt werden. Die Autorin des Buches "My Stroke of Insight" (deutscher Titel "Mit einem Schlag"), selbst Expertin für Hirnerkrankungen, hat 1996 im Alter von 37 Jahren in der linken Gehirnhälfte einen Schlaganfall erlitten, verursacht von einer arteriovenösen Malformation. Sie konnte daraufhin zunächst nicht mehr sprechen, schreiben und laufen und brauchte 8 Jahre für die Rehabilitation.
Regisseur Ron Howard, der z.B. auch Dan Brown's Illuminati verfilmt hat, will den Film 2012 in die Kinos bringen. Als Hauptdarstellerin ist derzeit Jodie Foster im Gespräch.