Studie zur Patientenaufklärung
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- Erstellt am 10.01.2011

Arezoo Amjadi-Kemper hat in Ihrer Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades verschiedene Arten der Patientenaufklärung untersucht. Die Testreihe bezog sich auf Patienten, die am Grauen Star leiden und behandelt werden sollten.
Amjadi-Kemper, A. (2010). Formale Operationsaufklärung und inhaltliche Operationsaufklärung mit und ohne audiovisuelle Unterstützung. Prospektive Erhebung an Katarakt Patienten im Vergleich der Methoden. Unveröffentlichte Dissertation, Medizinischen Fakultät, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen.
http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2010/3439/pdf/3439.pdf
Interessant ist die Studie deshalb, weil sie auch die audiovisuelle Aufklärung am Computer mit einbezieht, also in etwa mein Thema mit der interaktiven Patientenaufklärung betrifft.
Die Testreihe
Untersucht wurden 86 Probanden, die wiederum in 3 Gruppen eingeteilt wurden:
- 28 Personen wurden in heute üblicher Weise recht zügig über das Nötigste vom Arzt aufgeklärt.
- 29 Personen wurden sehr ausführlich mit Informationsblättern und anschließend auch noch einmal vom Arzt über alle Aspekte aufgeklärt.
- 29 Personen wurden zunächst am Computer sehr ausführlich aufgeklärt (Mindestdauer 15 Minuten) und konnten anschließend Fragen mit dem Arzt klären.
Die Personen waren überwiegend vom älteren Semester (die Mehrheit war über 70 Jahre alt) - das macht das Ergebnis der Studie aber um so interessanter. Die Akzeptanz für die computerbasierte Aufklärung war überraschend hoch, etwa 90% der dritten Gruppe gaben an, "sie seien noch nie so gut aufgeklärt worden".
Das Ergebnis
Bei der subjektiven Bewertung der Patienten (sie sollten Schulnoten vergeben) schnitten alle 3 Aufklärungsarten mit gut oder sehr gut ab, wobei die kurze "normale" Aufklärung durch den Arzt am schlechtesten und die computerbasierte Aufklärung am Besten abschnitt. Gruppe 2 schätzte dagegen vor allem den hohen Zeitaufwand des Arztes.
Anschließend wurde geprüft, wie viele Details zur Erkrankung, dem Behandlungsverfahren und den Risiken und Nebenwirkungen bei den Patienten hängen gebieben ist. Dazu wurden den Patienten Listen z.B. mit Komplikationen vorgelegt, wobei die Probanden nur die Komplikationen ankreuzen sollten, die für die Behandlung relevant sind. Die Ergebnisse zeigten, dass die Wirkung der einzelnen Aufklärungsmethoden sich deutlich unterscheidet.
Gruppe 1 (Standardmethode) konnte nur 43,9% korrekt wiedergeben und schneidet damit am schlechtesten ab. Gruppe 2 (ausführliches Arztgespräch) lag zu 88,2% richtig, Gruppe 3 (computerbasierte Aufklärung) schnitt mit 93,1% korrekten Antworten am Besten ab und hat somit "die größte Kenntnis über mögliche Nebenwirkungen".
Diese Abfrage-Tests wurden zu verschiedenen Themen durchgeführt (z.B. auch zur erforderlichen Nachsorge) und die Ergebnisse ähneln sehr dem genannten Beispiel. Die ausführliche Aufklärung durch den Arzt und die computerbasierte Aufklärung haben beide eine hohe Wirksamkeit, lediglich im Signifikanztest schnitt die ausführliche Aufklärung durch den Arzt noch geringfügig besser ab, als die computerbasierte.
Durch die computerbasierte Aufklärung ist der Zeit- (und Kosten-)aufwand für den Arzt nicht so hoch, wie beim ausführlichen persönlichen Gespräch. Zudem kann durch die Software sichergestellt werden, dass alle Patienten gleich und umfassend aufgeklärt werden, unter Berücksichtigung aller ethnischen und juristischen Aspekte.