Interaktive Patientenaufklärung

Bei der Recherche nach modernen Formen der Patientenaufklärung bin ich hauptsächlich auf die klassische Filmvariante gestoßen. Alle Informationen zur Erkrankung und der Behandlung werden durch Realbilder und Animationen (2D & 3D Grafiken) erläutert, wobei durch den Film die Reihenfolge und die Informationstiefe vorgegeben ist.

In der Regel gibt es einen Specher oder eine Sprecherin, welche die Inhalte akkustisch erläutern. Dabei gibt es Varianten, bei denen der komplette gesprochene Text auch im Bild nachgelesen werden kann, und Varianten, bei denen der Sprecher akkustisch die Haupt-Informationsvermittlung übernimmt.

Interaktionsmöglichkeiten sind hier nur die üblichen Steuerelemente für den Film: Abspielen, Vor- und Zurückspulen, Pause, Lautstärke ändern. In einigen Beispielen wurde der Film nach Kapitel gesplittet und man kann so zwischen den Kapiteln springen oder sich einzelne Kapitel erneut ansehen, ähnlich wie bei einem DVD-Menü.

Externe Links zu Video-Beispielen

Refraktile Laserchirurgie - Patienteninformation zum Lasik-Verfahren der Bausch & Lomb GmbH / wmf media. Einfache Filme in sechs Kapiteln.
http://mwf-media.de/media/flash/navi_Lasik.html

Intubationsnarkose (inkl. Larynxmaske) - Demo der videoassistierten Patientenaufklärung vom Thieme Verlag. Fotoslideshow & Animationen.
http://www.thieme-compliance.de/index.php?id=8447#c108716

Intubationsnarkose II. - Kurzer Ausschnitt des Films der Agentur Triple F und anschließend Meinungen der Patienten. Auf der Seite nach unten scrollen.
http://www.triple-f.de/global-player/bewegtbild-cases

 

In den USA geht man einen Schritt weiter

Emmi - so heißt ein interaktives Patienteninformationssystem, das seit 2003 in den USA eingesetzt wird (Erwartungs-Management und Medizinische Informationen). Bei dem System kann der Arzt dem Patienten einen Login einrichten und individuell einstellen, welche Informationen für den Patienten relevant sind. Der Patient kann sich dann direkt in der Praxis, Klinik oder auch zu Hause die "Module" ansehen.

Ein Modul ist gegliedert in verschiedene Bereiche (z.B. Ihr Körper, Ihr Zustand, Vor Ihrer Operation, Die Operation, Nach Ihrer Operation, Risiken und Vorteile, Alternativen). Hochwertige Flash-Animationen zeigen die Abläufe, zusätzlich werden Texte eingeblendet und ein Sprecher führt durchs Programm.

Der Patient kann jederzeit unterbrechen und z.B. eine Frage notieren, die dann online direkt an den Arzt für das nächste Gespräch übermittelt wird. Im Emmi-Manager kann der Arzt genau nachverfolgen, welche Module der Patient wann und wie oft angesehen hat. Der komplette Zugriff des Patienten wird also protokolliert und kann damit auch als gesetzliche Absicherung von der Klinik verwendet werden.

Demo zur interaktive Patientenaufklärung der Emmi Solutions. Das Programm ermöglicht dem Patienten, jederzeit Fragen an den Arzt einzureichen.
http://www.emmisolutions.com/demo/


Emmi geht sogar noch einen Schritt weiter: Patienten mit chornischen Krankheiten werden regelmäßig an weitere Maßnahmen erinnert. So können z.B. Diabetis-Patienten ihre selbst gemessenen Blutzuckerwerte direkt im Programm eintragen. Bei Unregelmäßigkeiten reagiert das Programm und informiert den Arzt und vereinbart ggf. direkt einen Termin.

Alles in allem eine interessante und durchdachte Anwendung, die in ähnlicher Form sicher früher oder später nach Europa überschwappt. Kritisch sehe ich allerdings die Entfremdung vom Arzt. Natürlich wird es weiterhin das persönliche Aufklärungsgespräch geben, aber es ist fast schon abzusehen, dass der Arzt irgendwann vielleicht nur noch per Mail antwortet, ohne den Patienten gesehen zu haben (wenn dieser einfach nur noch seine Symptome im Programm einträgt)...

Zusätzliche Informationen